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Roadtrip: Drei Tage mit dem Bus durch Österreich

Drei Tage waren wir im Mai 2020 mit unserem Camping-Bus, ein 34 Jahre alter VW Bus des Typs T3, unterwegs. Ursprünglich war an diesem verlängerten Wochenende ein Kurzurlaub in Slowenien geplant. Atti sollte dort ein „Spartan Trifecta Weekend“ laufen. Aufgrund von Corona wurde dieses natürlich schon vor längerer Zeit abgesagt. Um die paar Tage dennoch nicht zu Hause zu verbringen (als Reisesüchtige bleibt bei uns natürlich kein freier Tag ungenützt 🙂 ), sind wir mit unserem Bus los, um Österreich zu erkunden. Welche schönen Flecken wir dabei entdeckt und besucht haben, und warum wir ausnahmsweise mal ohne Plan unterwegs waren, erzählen wir dir in diesem Beitrag…



Spontan drauf los

Obwohl Atti diesen Bus schon einige Jahre hat (er teilt ihn mit seinem Bruder), sind wir seit 2016 nicht mehr wirklich damit unterwegs gewesen. Eine größere Reparatur war der Grund. Da wir diesen Sommer ohnehin eingeschränkt sein werden was das Reisen angeht, wollten wir nun zuerst mal sehen, wie/ob uns das Roadtrip-Feeling und (Wild)-Campen überhaupt noch Spaß macht. Also haben wir das verlängerte Wochenende genutzt, um ganz ohne Plan einfach drauf los zu düsen.

Spontan – eine Eigenschaft, die wir, zumindest in Bezug auf das Reisen, nämlich beide nicht wirklich besitzen. Wer uns schon eine Weile verfolgt, der weiß, dass wir, was das Reisen angeht, eher der Typ „Durchgeplant“ sind. Wenn wir unterwegs sind, auch bei längeren Backpacking-Reisen, dann buchen wir unsere Unterkünfte meist schon alle im Vorhinein, planen unsere Route, wann wir wo sein werden, und erkundigen uns gut, was wir uns alles vor Ort ansehen können. „Sich einfach treiben lassen…“ – diese Typen sind wir einfach nicht. Umso mehr freuten wir uns auf diesen kurzen Roadtrip. Wir fuhren los und hatten null Plan, wo es uns in den drei Tagen hin verschlagen wird.


Langbathseen

Von zu Hause aus sind wir einfach mal Richtung Salzkammergut gestartet und haben auf dem Weg beschlossen, zu den Langbathseen zu fahren. Wir waren beide noch nie hier, haben aber von vielen Freunden gehört, dass die beiden Seen wunderschön sein sollen. Da dieser Tag ein Feiertag war, und das Wetter auch super gut war, hatten jedoch nicht nur wir dieses Ausflugsziel. Direkt am See gelegen gibt es einen kostenlosen Besucherparkplatz, welcher bei unserer Ankunft bereits voll war. Entlang der Straße standen zwei-drei Kilometer weit die Autos am Straßenrand. Es waren so unglaublich viele Menschen vor Ort, dass wir uns zeitweise fühlten, als würden wir an einem großen Wandertag teilnehmen.

Es gibt unterschiedliche Wander-Routen um die Seen. Man hat die Möglichkeit nur um den großen Langbathsee zu spazieren, oder bis zum Kleineren weiter zu gehen und diesen zu umrunden. Der Weg ist völlig problemlos zu begehen, und auch für Radfahrer oder Kinder(wägen) geeignet.

Tipp: Es zahlt sich aus, bis zum kleinen Langbathsee zu gehen. Umrundet von Bergen sieht dieser wirklich aus wie aus dem Bilderbuch.


Hallstatt

Als wir anfingen zu überlegen, wo wir während unsres Roadtrips Halt machen könnten, haben wir beide sofort an Hallstatt gedacht. Normalerweise ist der kleine Ort ja überlaufen von unzähligen chinesischen Tourigruppen und vielen anderen Touristen. Wir gingen davon aus, dass aus diesem Grund wahrscheinlich aktuell eher weniger los sein wird. Tja, denkste! So viele österreichische Touristen an nur einem Tag sieht Hallstatt sonst wahrscheinlich eher selten. Aber gut, nett war es trotzdem. Wir sind durch den Ort spaziert, zur Kirche rauf, und haben uns ein Eis gegönnt. Dennoch verstehen wir nicht, warum die Chinesen alle so durchdrehen und sogar den Ort nachgebaut haben?! Crazy!

Info: Geparkt haben wir am P2 Parkplatz, welcher am Nähesten zum Zentrum ist. Kosten für unsere 4 Stunden Aufenthalt: 9 Euro. Mehr zum Parken hier…

Die Salzberg-Seilbahn, die Salzwelten und auch die Aussichtsplattform hatten leider noch geschlossen, sind aber ganz bestimmt einen Besuch wert! Auch das Beinhaus in der Michaels Kapelle ist sehenswert!


Schlafplatz-Suche

Nach unserem Besuch in Hallstatt machten wir uns auf Schlafplatz-Suche. Besser gesagt auf die Suche nach einem Parkplatz, wo wir über Nacht auch stehen bleiben dürfen. Schlafen wollten wir ja ohnehin in unserem eigenen Bus. Diese (spontane) Schlafplatzsuche gestaltete sich in der aktuellen Corona-Zeit aber gar nicht so einfach. Da auch die Campingplätze alle noch geschlossen hatten, musste man sich gut erkundigen, wo man abseits dieser Plätze über Nacht stehen bleiben darf. Nicht immer ist das erlaubt in Österreich. Dabei war vor allem herausfordernd, Parkplätze mit Sanitäranlagen zu finden, die wiederum aktuell auch geöffnet sind. Wir haben eine App genutzt (Park4night), welche diverse Übernachtungsmöglichkeiten anzeigt, und auch Kommentare von Leuten anzeigt, die diesen Platz bereits genutzt haben. So sind wir auf den Parkplatz auf der Tauplitzalm gestoßen.

Nacht-Parkplatz der Tauplitzalm

Von Bad Mitterndorf geht es eine private Mautstraße (12 € für Tagestouristen, 15 € für Camping) bis ganz nach oben auf knapp 1600m. Die Aussicht während der Fahrt, und auch oben am Parkplatz, ist wirklich traumhaft. Mit diesem Ausblick aufzuwachen, an das könnten wir uns gewöhnen…

Tauplitzalm

Normalerweise (also zu nicht-Corona-Zeiten) bietet die Region unzählige Sommer-Aktivitäten an. Wir kommen daher bestimmt noch mal vorbei!


Grundlsee & Toplitzsee

Am Nächsten Tag fuhren wir also von der Tauplitzalm in Richtung Grundlsee (dabei machten wir kurzen Halt in Liezen, um ein bisschen zu shoppen ;-)). Am Grundlsee wagten wir einen kurzen Sprung in den etwa 12 Grad kalten See. Brrrr!! Danach fuhren wir weiter bis nach Gössl. Von den Parkplätzen am Ende des Grundlsee führen zwei etwa 1,5 km lange Wanderwege bis zum Toplitzsee. Der Weg dorthin entlang der Gössler Wand ist wirklich wunderschön und beeindruckend. Direkt am See gibt es ein nettes Gasthaus.

Grundlsee
auf dem Weg zum Toplitzsee

Vom Toplitzsee könnte man auch noch weiter mit einem kleinen Holzboot bis zum Kammersee fahren. Leider haben wir hier das letzte Boot verpasst. Um den Toplitzsee ragen sich hunderte Geschichten und Mythen. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges wurde der See für diverse Versuchstests mit Sprengstoff genutzt. Als das Ende des Krieges nahte, wurden alle möglichen Dokumente, Waffen, Sprengstoff und vieles mehr im See versenkt. Lange wurde auch vermutet, dass dabei Geld, Gold und Diamanten mit versenkt wurden. Das Rätsel um den „Nazi-Schatz“ gilt bis heute als ungeklärt.

am Weg zum Toplitzsee
Toplitzsee

Donnersbach-Planneralm

Da uns die erste Nacht hoch oben in den Bergen so gut gefallen hat, haben wir für unsere zweite Nacht bewusst nach einem Schlafplatz in einem Skigebiet gesucht. Entschieden haben wir uns für die Planneralm. Schon gruselig, wie ruhig es in einem sonst so turbulenten Skigebiet sein kann. Wir waren die einzigen Camper vor Ort. Die Fahrt dort hin war außerdem unglaublich schön.


Kirchenruine Sankt Ägidius

Bei unserer Talfahrt zurück nach Donnersbach sind wir zufällig auf die Kirchenruine Sankt Ägidius gestoßen. Durch die besondere Lage am Berg, und der damit verbundenen Aussicht über Donnersbach, ist sie ein beeindruckender Aussichtsplatz! Es gibt vor Ort Relax-Liegen aus Holz, und Tische und Bänke zum Rasten. Diese nutzten wir auch gleich spontan, um dort zu Mittag zu essen.

Aussichtsplatz bei der Kirchenruine Sankt Ägidius
Kirchenruine Sankt Ägidius
Picknick mit Aussicht

Österreich vs. Ausland

Ich glaube, wir sind uns alle einig: Österreich ist wunderschön. Österreich besitzt unglaublich schöne Orte. Das wissen wir. Wussten wir auch vor unserem kurzen Roadtrip. Dennoch hat es uns in der Vergangenheit immer ins Ausland gezogen. Und das wird es auch weiterhin – da sind wir uns sicher. Trotzdem haben uns die paar Tage gezeigt, wie wunderschön das Land ist, in dem wir leben. Dafür sind wir dankbar! Und wir freuen uns riesig darauf, heuer wieder mehr mit unserem Bus unterwegs zu sein. Zumindest solange die Flieger noch am Boden sind…..

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