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Togo: zu Besuch am größten Voodoo-Markt der Welt

Wer in den Togo reist, wird relativ schnell mit „Voodoo“ konfrontiert werden. Die Religion ist im Togo allgegenwärtig. Fast die Hälfte der Bevölkerung im Land bekennt sich zu traditionellen afrikanischen Religionen und Kulten. Weltweit hat die Religion sogar mehr als 60 Millionen AnhängerInnen. Vieles hatten wir vor unserer Reise in den Togo bereits über diese Religion gehört und gelesen. Umso mehr freuten wir uns auf den Tag, als wir endlich den bekannten „Marché des Feticheurs“ besuchten. Was wir dort erlebt und gesehen haben, erfährst du in diesem Beitrag…

!! Warnung: Manche der folgenden Bilder könnten für den ein oder anderen verstörend sein. Es handelt sich um Tierkadaver und mumifizierte Schädel von diversen Tieren. !!

Da muss man schon genauer schauen, was da alles vor einem liegt…

Der Fetischmarkt am Rande von Togos Hauptstadt Lomé, auch bekannt als „Akodésséwa“, gilt als größter Voodoo-Markt der Welt. Unsere Erwartungen waren demnach enorm. Da wir in Afrika schon mehrere Wochenmärkte besucht haben (welche kurz angemerkt wirklich groß, unübersichtlich und vor allem laut sind) stellten wir uns auch hier einen bunten, schrillen und vor allem großen Markt vor. Bei unserer Ankunft waren wir, um ehrlich zu sein, enttäuscht. Der „größte Voodoo-Markt der Welt“ beschränkt sich etwa auf die Größe eines Tennisplatzes und ist mit einem Blick relativ schnell erkundet. Zwei Mal haben wir bei Ibrahim, unserem Tour-Guide, nachgefragt, ob wir hier auch wirklich richtig sind.

ABER: es war deshalb nicht weniger interessant. Spätestens als wir aus dem Auto ausgestiegen sind und uns wenige Meter dem Eingang näherten, wussten wir: Hier sind wir richtig! Ein unglaublich penetranter Verwesungsgeruch stieg uns in die Nasen. Kurz wurde uns auch ein wenig übel.

Diese „Stände“ unter dem Dach sind etwa 1/3 des Marktes.
Schild vor dem Eingang: 3000 CF entry fee + 2000 CF Gebühr, um Fotos zu machen
Tierkadaver und Voodoo-Statuen, wohin man sah…

Ein Voodoo-Priester begrüßte uns freundlich und erzählte uns etwas über den Markt und die Religion. Voller stolz zeigte er uns, was man in Akodésséwa erwerben kann. Affenschädel, tote Vögel, Pferdehaar-Wedel, Hunde, Elefantenknochen, Ziegenfelle, Fledermäuse und Schlangenhäute stapelten sich vor uns. Und sogar ein ausgetrockneter Pavian lag vor uns auf dem Tisch.

Schnell war uns klar: den Markt zu besuchen ist nichts für schwache Nerven. Das alles zu sehen ist wirklich schwer zu begreifen. Und auch wenn uns der Voodoo-Priester mehrmals versicherte, dass all diese Tiere nicht explizit für diese religiösen Praktiken getötet werden, sondern erst dann zum Einsatz kommen, wenn sie ohnehin schon tot sind, konnten wir ihm das nur schwer glauben. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir das in keinster Weise gut heißen. Die medizinische Verwendung von all diesen Utensilien ist jedoch wichtiger Bestandteil der Voodoo Religion, und auch als Teil dieser Religion anzusehen. Und wir wollten begreifen, warum das alles vor uns auf den Tischen lag.

Ein Voodoo-Priester klärte uns über diverse Traditionen der Religion auf…

Während wir noch staunten und wunderten, kaufte neben uns gerade ein junges Paar ein. Ein bisschen von hier, ein bisschen von da. Als würden sie Obst & Gemüse einkaufen. „Hier seht ihr eine riesige traditionelle Apotheke“ – sagte uns der Voodoo-Priester. „Ein Stück eines Katzenkopfes, Hundekopfes und Chamäleon Schwanzes, vermischt mit etwas Honig, soll zum Beispiel das Schlaganfallrisiko vermindern.“ Was wir bis zu diesem Zeitpunkt, so wie wahrscheinlich die meisten von euch da draußen, nicht wussten, ist, dass Voodoo eigentlich hauptsächlich Gutes bedeutet. Immer wieder wird Voodoo mit schwarzer Magie assoziiert. Auch das gibt es natürlich. „Der Hauptbestandteil besteht aber darin, den guten Geist unserer Vorfahren herbeizurufen“, sagte der Voodoo-Priester. „Das Gute siegt immer über dem Bösen.“ Voodoo ist nämlich nicht nur „Böses heraufschwören“ oder „Tiere opfern“. Voodoo hat vor allem viel mit Heilkunde und traditioneller Medizin zu tun. Mehr über Voodoo erfährst du auch in unseren Beitrag „Togoville: zuerst zum Voodoo-Schrein, danach in die Kirche“. Zu finden hier…

Elsa staunte noch, während neben ihr eine Frau ihre Einkäufe erledigte…
Was man auf den Fotos (Gott sei Dank!) nicht sieht/riecht, ist der Gestank, der in der Luft lag…

Auch wenn wir anfangs von der Größe des Marktes enttäuscht waren, war der Besuch ein besonderes Erlebnis und wir würden es jedem empfehlen, der in Lomé ist. Wir waren uns dessen bewusst, dass vieles auf diesem Platz nur für uns TouristInnen drapiert wurde. Das störte uns aber nicht. Es ist spannend, zumindest für kurze Zeit in diese für uns verrückte Welt einzutauchen. Für uns EuropäerInnen wird dieser Kult vermutlich immer etwas skurril und unbegreiflich bleiben. Doch angesichts dessen, dass Voodoo weltweit mehr als 60 Millionen AnhängerInnen hat, gehört es unserer Meinung zum „Must Do“, den Markt zu besuchen und etwas über diese Religion zu erfahren.

Bei diesem Anblick blieb uns kurz der Atem stehen…
Auf dem Weg in das Haus eines Voodoo-Priesters…

Gut zu wissen:

Eintritt Voodoo Markt: 3000 CFA pro Person
Fotogebühr: Gebühr, um fotografieren zu dürfen: 2000 CFA
Anreise Voodoo Markt: mit dem Taxi oder Moto-Taxi – jeder kennt den Markt und kann dich hinbringen.


Hier ein Video über den Markt von Drew Binskey: https://www.youtube.com/watch?v=AcF6sl9Q6_Q
Drew Binsky ist ein Weltreisender, der kurz vor seinem Ziel steht, jedes Land der Welt zu besuchen. Seit Jahren folgen wir ihm und seinen Abenteuern! 🙂 Wir können dir seine Videos wärmstens ans Herz legen!


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