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Einfach verrückt: Taxifahren in Ghana

Wenn ihr in Ghana ein Abenteuer erleben wollt, dann habt ihr gute Chancen, wenn ihr eine Fahrt mit dem Taxi auf Landstraßen macht. Um zu beschreiben, wie man sich das in etwa vorstellen kann, nutze ich, Elsa, oft die Gelegenheit und erzähle von einem Erlebnis, welches ich gemeinsam mit zwei Freundinnen vor ein paar Jahren hatte. Dieses Erlebnis möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen…

Autopanne: nichts besonderes in Ghana

Taxifahren, vor allem in ländlichen Regionen, wo asphaltierte Straßen eine Seltenheit sind, kann in Ghana schnell zu einem großen Abenteuer werden. Und nicht nur bei Taxis ist das der Fall: jegliche Art von öffentliche Verkehrsmittel hat in diesem Land meist schon bessere Zeiten erlebt. Ein Fenster, welches während der Busfahrt auf die Straße fällt. Eine Autotür, die mitten auf der Schnellstraße bei 100 km/h sich dazu entschließt, das Zeitliche zu segnen. Ein Reifenplatzer hier, ein leerer Autotank da. Denn Tankanzeigen funktionieren in der Regel nicht – für wie viele Meter der Sprudel noch reicht, wird geschätzt. Auch auf den Tachometer kann man sich oft nicht verlassen.

Kaum zu glauben, dass dieses Gefährt noch funktioniert!
Reifenplatzer? No Problem!
Zwei Personen auf dem Beifahrersitz? Sei froh, dass es nicht drei sind! 🙂

Aus diesem Grund sind in den vergangenen paar Jahren immer mehr Taxifahrer auf sogenannte Moto-Taxis umgestiegen. Moped-Taxis, welche die großen Schlaglöcher besser umfahren können. Denn kaum sind die Problemstellen ausgebessert, werden sie durch den nächsten Regen wieder ausgeschwemmt.

10 Minuten Regen kann bei diesen Straßen schon zu viel sein.
Wieso ich so lache? Kleiner Tipp: achte auf den rechten Reifen!

Kein Wunder also, dass ich während meiner vielen Ghana-Aufenthalte schon das ein oder andere Abenteuer auf den Straßen erlebt habe. Doch eine Geschichte wird mir ganz besonders in Erinnerung bleiben. Passiert ist uns dieses Abenteuer auf unserem wöchentlichen Marktbesuch in Adwaso in der Eastern Region. Wie jedes Mal haben wir uns, um nach Adawso zu gelangen, ein Taxi gerufen. Dass Taxis und prinzipiell Autos in Ghana nicht mehr unbedingt den aktuellsten Sicherheitsstandards entsprechen, und bei uns in Europa keinesfalls mehr zugelassen wären, wissen wir nun ja bereits, und war mir zu diesem Zeitpunkt schon lange klar. Ich bin in den vergangenen Jahren schon mit so einigen fahrenden Objekten mitgefahren (denn also Autos kann man diese Dinger echt nicht mehr bezeichnen), das kann man sich kaum vorstellen.

Diese Straßen… oh mann!
Darf nie fehlen: Deko im Auto

Doch an diesem besagten Tag, im November 2015, waren wir mit einem Auto unterwegs, dessen Fahrtauglichkeit uns aufgrund des äußeren überaus desolaten Erscheinungsbildes mehr als überraschte. Und das nicht nur, weil es kaum noch Spuren einer Innenverkleidung gab, oder die Decke bereits am Herunterbrechen war, sondern auch deshalb, weil unterhalb des Lenkrades eine Menge bunter Kabel zu sehen waren und das Zündschluss nicht mehr existierte. Aus diesem Grund blieben wir – surprise surprise – nach nur wenigen Minuten mitten auf der Straße liegen.


Nun gut, das ist nun wirklich kein Wunder bei abgrundtiefen Schlaglöchern. Und außerdem auch nichts Neues bzw. nichts, was uns zuvor noch nicht passiert wäre. Wir haben eigentlich damit gerechnet, nun zu Fuß weiter zu gehen. Doch wie so oft in Ghana wird zuvor noch alles Mögliche versucht, um die Fahrt wie gewohnt fortsetzen zu können. Also hat unser Taxifahrer, nachdem er die Motorhaube mit einem Ast direkt aus dem Busch nebenan gestützt hatte, und ein paar Minuten am Motor herum geschraubt hatte, von dort ein riesiges Teil ausgebaut.


Und kaum zu glauben, unser Gefährt fuhr unter einem lauten und nach Öl stinkendem Getöse weiter, bis wir erneut liegen geblieben sind. Denn spätestens als wir aufgrund der aktuellen Steigung am Zurückrollen waren, und der Taxilenker uns einen großen Stein in die Hand drückte, um ihn doch bitte während dem Fahren hinter den Reifen zu legen, damit das Auto zum Stehen komme, war uns klar: Hier ist Schluss.


Also sind wir raus aus dem Auto und haben uns schlussendlich doch nach einem anderen Taxi umgesehen, welches uns dann relativ zügig zum Markt nach Adawso gebracht hatte.


Das war aber noch nicht genug, denn die Rückfahrt hat sich mindestens genauso schräg gestaltet. Diese haben wir zu zehnt! in einem KIA, dessen Größe etwa der eines kleinen Opel Corsa entsprach, bestritten. Während ich gemeinsam mit drei weiteren Damen und zwei Kindern auf der Rückbank Platz nahm, sich meine Freundin mit einem älteren Herren den Beifahrersitz teilte, und der Fahrer ebenfalls vorne saß, hat es sich im offen stehenden Kofferraum noch ein junger Mann gemütlich gemacht. Und da wegen der vielen Personen und demnach zu hohem Gewichts der Antrieb des Autos bei den Steigungen nicht mehr mitspielte, fuhren wir über weite Strecken im Retourgang eben rückwärts bergauf. Schlussendlich sind wir dann jedenfalls alle wieder heil nach Hause gekommen.


Ihr seht, so eine Taxifahrt in Ghana kann sich schnell als großes Abenteuer herausstellen. Und wie so oft in diesem Land ist es wichtig, geduldig zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass die Einheimischen wissen, was sie da machen. Begreifen kann man das alles nicht – einfach wundern, lachen und sich zurücklehnen (sofern das bei 6 Personen auf dem Rücksitz überhaupt möglich ist. 😉 )


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