Lesezeit: 10 Minuten

Plov, Non und Shashlik – Was man in Usbekistan isst…

Pizza in Italien, Baguette in Frankreich. Doch was isst man in Usbekistan? Genau diese Frage haben wir uns vor unserer Reise auch gestellt. Wie vor jedem Urlaub haben wir uns auch für Usbekistan mit der landestypischen Küche beschäftigt. Aus Dokus kannten wir nur schaurige Bilder von ganzen Schafsköpfen und riesigen Kochtöpfen, mit 3 Metern Durchmesser, in denen eine Art Reisfleisch zubereitet wird. Innerlich hofften wir auf eine ähnliche Küche wie im Iran. Diese haben wir von unserer Reise im Jahr 2017 zwar auch sehr fleisch-lastig, aber sehr gut in Erinnerung. Auf das knusprige Fladenbrot hofften wir ganz besonders. Wie das Essen in Usbekistan dann tatsächlich war, liest du in diesem Beitrag….

Schafsköpfe zum Abendessen gefällig? Das Angebot auf dem Bazaar ist jedenfalls vielfältig….


Erstkontakt: Fladenbrot

Bei unserem ersten Kontakt mit usbekischen Lebensmitteln handelte es sich tatsächlich um ofenfrisches und wohlriechendes Non, einem Fladenbrot aus dem Tandyr-Ofen. Da wir erst inmitten der Nacht in Tashkent gelandet sind und danach eigentlich nur mehr ins Hostel wollten um zu schlafen, wichen wir beim Frühstück auf selbst Mitgebrachtes aus. In diesem Fall Porridge aus Haferflocken und Wasser.

Brot frisch aus dem Ofen
der erste Einkauf: Non

Danach folgte die erste Stadtrundfahrt: diese führte uns gleich zum Hauptbahnhof, um Zugtickets für die gesamte Reise zu organisieren. Während Elsa also versuchte sich in der Ticketverkaufshalle zu orientieren, beschloss Atti sich auf die Suche nach Essen zu begeben. Unweit des Bahnhofs stieß er auf einen kleinen Lebensmittelladen und erspähte mit einem geschulten Blick Fladenbrot-Laibe hinter der Verkaufstheke. Festentschlossen, aber mit keinem Wort usbekisch im Vokabular, deutete er mit dem Finger auf die „heiße Ware“, gefolgt von einer gezeigten Eins, mittels erhobenem Zeigefinger. Atti bezahlte für das Brot um die SOM 4000, also circa 30 Euro-Cents. Er war voller Freude, Elsa mit diesem handwarmen Non überraschen zu können.

Non war generell auf unserer gesamten Reise präsent. Egal ob zu Suppe oder Shashlik: Zu jeder Speise wird in Usbekistan als Beilage Brot gereicht. Auf dem Chorsu Bazaar in Tashkent gibt es sogar eine eigene „Abteilung“ nur für Brot.

Bei unserem Tagestrip nach Marg’ilon hatten wir das Vergnügen, hinter die Kulissen einer Backstube zu blicken. Eigentlich wurden wir nur durch den Duft von frisch Gebackenem gelockt und wollten uns ein Laib für die Heimreise kaufen. Der Besitzer war begeistert uns Mitteleuropäer zu sehen. Einem Selfie folgte eine kleine Führung durch den Laden. Es wurde uns gezeigt, wie der Teig an die Wand der Innenseite des Tandyr-Lehmofens geklebt wird. Einen Raum weiter wurden Teiglinge geformt und mit einer Art Stempel versehen, wodurch die typische Schalen-Form zustande kommt. Man stelle sich mal dieselbe Situation beim Brotkaufen in einer Bäckerei in Österreich vor! 😊 (Übrigens: wir haben zur Gastfreundschaft in Usbekistan schon einen eigenen Beitrag: Welcome to Uzbekistan)

am „Brot-Bazaar“ in Samarkand

Nationalgericht Pilov

Wie war das nochmal mit den 3 Meter Riesenkochtöpfen?
Mehrmals vor unserer Reise sahen wir in Dokus oder Social-Media Outdoor-Küchen mit riesengroßen Kesseln. Darin wurden hunderte, wenn nicht sogar Tausende, Portionen Reisfleisch pro Tag zubereitet. Bei diesem Reisfleisch handelt es sich um Plov, dem Nationalgericht Usbekistans. Plov, Pilov, Pilaw oder usbekisch „Osh“ ist ein orientalischer Eintopf aus Reis, Fleisch, Gemüse und je nach Rezept auch aus diversen anderen Zutaten wie Trockenobst, Kichererbsen, Mandeln und Kräutern. Das Gericht ist generell im zentralasiatischen Raum sehr verbreitet und hat seine Ursprünge im 13. Jahrhundert in Syrien.

Vor Ort in Usbekistan, stießen wir nach kurzer Recherche auf die größte und bekannteste Plov Küche in Tashkent, der Hauptstadt Usbekistans: dem „Plov Center“. Die Adresse wurde gleich auf Google-Maps markiert und ein Besuch in eben diesem Restaurant auf unsere ToDo-Liste gesetzt. Am dritten Tag in Usbekistan, nach der Rückkehr aus dem Ferganatal, machten wir uns auf die Suche nach dem Plov Center. Dieses ist per Metro und einem anschließenden Fußweg von einigen hundert Meter gut erreichbar. Dort angekommen standen wir direkt inmitten der riesengroßen Kochstellen mit einem geschätzten Durchmesser von 3 Metern – so wie wir es auch in den Dokus zu Hause gesehen haben. Die Mahlzeiten werden hier im Akkord zubereitet. Einer rührt das Plov im Kessel um. Der Zweite schöpft die Speise portionsgerecht in Teller. Weitere schneiden entweder Kräuter, pellen Eier oder hacken Lammfleisch in mundgerächte Stücke.

Leicht, ok… eher sehr überfordert sahen wir uns die einzelnen Feuerstellen an und versuchten zu erahnen, ob es einen Unterschied zwischen den sechs Zubereitungsstellen gibt. Zufällig (und glücklicherweise) erkannte ein deutscher Geschäftsmann, der auch usbekistsch konnte, die Überforderung in unseren Gesichtern und klärte uns auf. Es werden an den diversen Feuerstellen jeweils unterschiedliche Varianten des Eintopfs zubereitet. Bestellen muss man bei Kellnerinnen, die hie und da aus dem Speisesaal rauskommen. Weder die Kellnerinnen, noch der Speisesaal waren uns bis zu diesem Zeitpunkt aufgefallen.

Mithilfe des Deutschen bestellten wir das Standardmenü: Reis mit Karotten, Rosinen, einem gekochten Ei, Kichererbsen, Fleisch vom Fettschwanzschaf und Pferdewurst. Für Elsa war es sowohl optisch als auch geschmacklich eher eine Herausforderung. Atti störten eigentlich nur die Fettstückchen, welche fachmännisch mit der Gabel zum Tellerrand geschoben wurden. Geschmacklich war unser Plov von den süßen Rosinen dominiert, aber generell recht fettig. Das Pferdefleisch haben wir würzig und kräftig in Erinnerung.

Der Saal, in dem wir gespeist haben, hatte eine geschätzte Kapazität von 500 Personen und bestach durch seinen Sowjet-Charme. Es wird einem ein Tisch zugewiesen. Tee, Brot und Salat wird gereicht, und nach etwas Warten das gewünschte Gericht serviert. Alles in allem war es eine spannende Erfahrung und ein Besuch lohnt sich in jedem Fall! Zur Leibspeise wird es das Plov aber vermutlich nicht schaffen. Preis: SOM 70.000 = etwa € 6,5 für alles, inkl. Getränke.


Shashlik, Manti und co

Neben Plov und Non zählen zum Beispiel auch Shashlik und Manti zu den kulinarischen Klassikern in Usbekistan. Bei Shashlik handelt es sich um einen marinierten Fleischspieß, welcher über Holzkohle gegrillt wird. Manti sind mit Faschiertem und Zwiebeln gefüllte, sowie gedämpfte Teigtaschen. Der eine oder andere kennt beide Gerichte vielleicht aus anderen Ländern wie der Türkei oder Russland. Beides unheimlich lecker!

Shashlik – sooooooo gut!

Auf unserer Reise sind wir bei jedem Restaurantbesuch immer demselben Schema gefolgt: Möglichst viele Speisen werden bestellt, um so viel wie möglich probieren zu können. Oft begannen wir mit Shurpa, einer reichhaltigen Suppe mit viel Fleisch und Gemüse, und kleineren Snacks wie gefüllten Weinblättern. Diese werden Dolma genannt. Als Beilage zum Hauptgericht bestellten wir diverse Salate, Kichererbsen und gegrilltes Gemüse. Meistens kommt der Kellner mit einem überdimensionalen Tablet, von wo aus man dann aus unterschiedlichen Vor- und Nebengerichten wählen kann.

„Einmal alles bitte zum Probieren“ 🙂
Dolma im Vordergrund, Manti im Hintergrund
Auswahl an Vorspeisen
an der Kassa: alles ein Schnäppchen!

Somsa, gefüllte und frittierte Teiglinge, gönnten wir uns entweder als Zwischensnack auf dem Bazaar oder beim Frühstück. Außer in unserer Pension in Samarkand (Timur the Great) fiel der Start in den Tag aber meist spärlich aus: dominiert von eher fettigen Lebensmitteln wie Würstchen, Plundergebäck und einer Käsezubereitung Namens „Kaymak“.

fabelhaftes Frühstück im „Timur the Great“
eher spärliches Frühstück in allen anderen Unterkünften

Beim Gedanken an einen Bazaar denkst auch du bestimmt als erstes an Gewürze, Obst und Gemüse. Dies ist auch in Usbekistan nicht anders. Unseren täglichen Vitaminbedarf deckten wir daher an den Obstständen der Bazaare. Hier gibt es wirklich alles! Von Granatäpfel über Melonen bis Trockenobst, Nüsse und Zitrusfrüchte aller Art.


Essen auf Rädern

Unter anderem durch den Podcast Uncovered von Thilo Mischke (Folge 32 – Unterwegs durch Usbekistan) wurden wir dazu animiert, in Usbekistan den Zug als bevorzugtes Fortbewegungsmittel durch das Land zu wählen. In diesem Podcast erzählt Thilo, wie sein Kameramann die gesamte Crew bei einer Zugfahrt auf einen Hamburger einlädt. Der Burger besteht, wie auch wir auf unserer Reise erleben durften, aus einem weichen Weißbrötchen, gefüllt mit einem noch halb gefrorenen Fleischklumpen aus Faschiertem und einer undefinierbaren roten Soße. Kosten tut dieser etwas andere Burger umgerechnet unter einen Euro. Ob’s geschmeckt hat? Naja…. die Usbeken neben uns im Zug waren jedenfalls durchaus überzeugt vom Geschmack. Auch reichlich andere Nahrungsmittel werden einem während der Zugfahrt angeboten – je nach dem mit welchem Zug man unterwegs ist. Mehr dazu kannst du in unserem Beitrag übers Zugfahren in Usbekistan lesen.

„Burger“ usbekischer Art: Snack beim Zugfahren

Tee oder Kaffee?

Das wohl wichtigste Getränk in Usbekistan ist „Chai“: Schwarzer Tee wird immer und überall getrunken. Ob am Morgen zum Frühstück, zum Mittagessen, oder abends bei gemütlichem Beisammensein. Guten Kaffee hingegen findet man nur nach intensiver Suche. Wird man fündig, gibt es dann aber auch echt guten Cappuccino. Ansonsten muss man sich mit Instant Kaffee begnügen. Zum Tee oder Pulverkaffee, so schien es auf uns, essen die Usbeken am Liebsten Kekse. Diese kann man am Markt oder Lebensmittelhändler sogar zum Kilopreis kaufen.

Kaffeepause mit Instant-Kaffee … vs ..
guter Cappuccino
Kekse zum Kilopreis
klassischer Mini-Supermarkt

Ein weiteres Detail aus dem oben genannten Uncovered Podcast, welches wir selbst erleben durften: Coke Zero ist Mangelware im Land. Wir trinken sowohl zu Hause aber auch auf Reisen meist Wasser. Haben wir dann aber mal Lust auf einen Softdrink, dann greifen wir eigentlich immer auf „Zero“-Getränke zurück. Während es Cola, Fanta und co an jeder Ecke zu kaufen gab, wurden wir bei der Light-Variante nur ein paar mal fündig. Die Usbeken und Usbekinnen wollen es offensichtlich süß! 😉

Coke Zero: Mangelware in Usbekistan
Eine Kanne Tee steht immer mit am Tisch

Pizza & Pancakes

So wie in jedem anderen Land auf dieser Erde auch, gibt es natürlich auch in Usbekistan Pizza, Pancakes und co. Zwischen dem vielen Fleisch und Brot waren wir froh, auch mal auf „internationale“ Küche zurück greifen zu können. Wir hatten auch ganz oft das Problem, dass wir kein Wort der Speisekarte verstanden haben (weil alles in Kyrill geschrieben war). Das Wort „Pizza“ kennt man jedoch auch in Usbekistan, und vereinfacht daher oftmals die Essensbestellung und Kommunikation. 😉


Unser Fazit zum Essen in Usbekistan: die usbekische Küche ist sehr fleisch-lastig. Überzeugt hat uns vor allem das viele Brot, welches fast immer frisch aus dem Ofen kommt und unheimlich lecker ist! Auch von den Shashlik-Spießen und Mantis konnten wir nicht genug kriegen. Plov wurde nicht zu unserer Lieblingsspeise, muss aber bei einem Usbekistan-Besuch unbedingt probiert werden! Alles in allem ist die usbekische Küche sehr schmackhaft und lecker, und vor allem eines: unheimlich günstig!

Diese Beiträge über Usbekistan könnten dir auch gefallen…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code